Serie 4: Malerei als Wissenschaft: Die Kunst des Leonardo da Vinci
Der Genius Leonardo da Vincis stößt auch heute noch auf allgemeine Bewunderung. Er verkörperte auf umfassende Weise den "uomo universale" - das Universalgenie, das in der Hochrenaissance zum Idealbild des aktiven Menschen wurde. In diesem Sinne war die Malerei nur ein Zweig seiner vielfältigen Interessen - doch bei weitem nicht die geringste. Leonardo da Vinci wurde 1452 als unehelicher Sohn eines Notars und einer Bauerntochter geboren und wuchs bei seinem Vater in der Kleinstadt Vinci bei Empoli auf. 1469 bis ca. 1476 war er als Gehilfe in der berühmten Werkstatt des Andrea del Verrocchio in Florenz tätig, wo er seinen Meister bald übertraf. Leonardos führte verschiedene Neuerungen in die Malerei ein, die schon in seinen frühen Werken sichtbar werden. Seine Bildräume und Personen sollten so natürlich wirken, dass sich der Betrachter mit ihnen identifizieren könnte. Als einer der ersten Künstler versuchte er, in Posen und Gesichtsausdruck von Figuren deren Psyche zu enthüllen. 1482 zog Leonardo nach Mailand, wo er am Hofe des Herzogs Ludovico Sforza Arbeit fand. Im fruchtbaren intellektuellen Klima des Hofes fand er die Möglichkeit zur Entwicklung vielfältiger Interessen auf verschiedensten Gebieten der Naturwissenschaften, Ingenieurwesen und Künste, die ihn sein Leben lang beschäftigen sollten. Leonardo sah keine Kluft zwischen Kunst und Naturwissenschaften, forderte vielmehr, dass ein Künstler sich mit Ihnen befassen muss, da er die Natur der Dinge kennen muss, die er darstellen will. Leonardo betrachtete die Malerei als höchste der Wissenschaften auf Grund ihrer universellen kommunikativen Fähigkeiten, da ihr Verständnis an keine Sprache gebunden sei und sie komplexe inhaltliche Zusammenhänge auf einen Blick anschaulich machen könne. Seine Studien zur Optik, Anatomie und zum menschlichen Ausdruck dienten nicht zuletzt dazu, seine Gemälde für den Betrachter so überzeugend wie möglich zu machen. Als Mailand von französischen Truppen besetzt wird zog Leonardo 1499 aus der Stadt und kehrte 1500 nach Florenz zurück. Hier arbeitet er ab 1503 an dem großen Wandgemälde "Die Schlacht von Anghiari" für den Ratssaal des Palazzo della Signoria, welches jedoch wie viele seiner Werke unvollendet blieb und heute nur noch in Zeichnungen nachzuvollziehen ist. 1506 kehrte Leonardo nach Mailand zurück. In seinem letzten Lebensabschnitt beschäftigte er sich besonders intensiv mit naturwissenschaftlichen Studien, was auch an seinen letzten Gemälden abzulesen ist. 1513 zog er im Dienst Giuliano de' Medici, des Bruders von Papst Leo X., nach Rom und trat nach dessen Tod 1516 als erster Maler, Ingenieur und Hofarchitekt in die Dienste des französischen Königs Franz I. Leonardo war durch eine Lähmung jedoch nicht mehr in der Lage selber zu malen. Gemälde entstanden wahrscheinlich unter seiner Anleitung durch seinen letzten Schüler Francesco Melzi, den er auch zu seinem Haupterben einsetzte. 1519 starb Leonardo da Vinci in der königlichen Residenz Clos-Lucé bei Amboise. Schon unter Zeitgenossen war er berühmt und wurde noch zu Lebzeiten von Giorgio Vasari zur Legende stilisiert. Von seinem malerischen Oevre sind leider nicht mehr als ca. zwanzig Gemälde und zahlreiche meisterhafte Zeichnungen und Skizzen überliefert. Schon seine Auftraggeber beklagten sich, dass Leonardo alles anfange und nichts zu Ende bringe, da sein rastloser Geist schon wieder bei einer neuen Sache sei.
Links
Leonardo da Vinci - Scientist, Inventor, Artist (engl.)
Exploring Leonardo (engl.)
Leonardo da Vinci - Werke und Geschichten
Leonardo da Vinci - Ein Genie seiner Zeit
Leonardo da Vinci
Thais, Sammlung von Zeichnungen italienischer Renaissancekünstler (it./engl.)
Publikationen zur italienischen Renaissance von Prof. Zöllner (Uni Leipzig)
Leonardo da Vinci
Wussten Sie schon,dass Leonardo da Vincis Denkmal für Francesco Sforza das größte Reiterstandbild geworden wäre, wäre es jemals gebaut worden? Leonardos "Arbeitgeber", der Mailänder Herzog Ludovico Sforza beauftragte ihn 1485 mit dem Bau eines monumentalen Reiterstandbilds zu ehren seines verstorbenen Vaters Francesco. Leonardo arbeite bis 1499 an dem Projekt, das auf Grund seiner ehrgeizigen Ausmaße jedoch nie ausgeführt werden sollte. Zum Teil waren dafür die technischen Probleme beim Guss des über sieben Meter hohen Denkmals verantwortlich, zum Teil Geldmangel seitens des Fürsten. Ausgeführt wurde 1493 nur ein maßstabsgetreues Tonmodell, welches bei der Besetzung von Mailand durch die Franzosen 1499 zerstört wurde. |
Ulrike Johnson, E-Mail: ulrikejohnson@gmx.net