Uli's kleines Kunstlexikon
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A

Maria im Ährenkleid


Typus der Mariendarstellung.

 

Alabaster


1. Eine weiße oder gelbliche durchscheinende Gipsart (Calcium Sulfat), die in England und Italien gefunden wird. Da dieser Stein sehr weich ist, läßt er sich leicht schneiden, bricht und verwittert aber auch schnell.
2. Der sogenannte Alabaster, welcher in der Kunst des alten Ägypten und Rom verwendet wurde, ist dagegen ein viel härter Stein, nämlich Onyx (Calcium Carbonat). Dieser Stein wurde wegen seiner schichtweisen Schwar-Weiss-Färbung häufig zu Gemmen verarbeitet.

 

Altar


Herkunft des Wortes: "altar" - Aufsatz, Brandort und "adolere" - verbrennen.
In Antike und Judentum als Ort der Darbringung von Tier-, Brand- und Rauchopfern verwendet, im Christentum basierend auf alttestamentlichen Opferriten zur Feier der Eucharistie verwendet.
Der christliche Altar ist von unten nach oben aufgebaut aus: Altarstufen (müssen nicht unbedingt vorhanden sein), Stipes (tragendes Mittelteil) und Mensa (abschließende Platte).
 
Altarformen:
1. Tischaltar: Die Mensa ruht auf Stützen. Älteste Form des Altars; am verbreitesten in der byzantinischen Kunst.
2. Blockaltar: Die Mensa ruht auf einem massiven Block.
3. Kastenaltar: Kastenartiger Behälter mit großem Hohlraum für die Reliquie. Im Protestantismus wegen Wegfall der Reliquienverehrung aufgegeben.
4. Sarkophagaltar: Sarkophagförmiger Behälter für eine Reliquie, seit 17. Jh. v. a. in Süddeutschland und Österreich.
 
Weitere Altarbestandteile:
Reliquie: Bis zur Reformation unbedingter Bestandteil eines Altares, entweder im Altar oder in Krypta unter dem Altar untergebracht.
Antependium: Stoff- oder Metallverkleidung der Vorderseite der Stipes, auch genannt "Frontale". Gebräuchlich v. a. im frühen Mittelalter, Bedeutungsverlust durch Wandel der Liturgie im 11. Jh., als der Priester statt früher hinter dem Altar nun vor dem Altar steht.
Altartuch: Über die Mensa gelegt; Symbol für das Leichentuch Christi.
Retabel: Altaraufsatz über der Mensa oder hinter dem Altar, im Sprachgebrauch auch allgemein als "Altar" bezeichnet; ab 11. Jh. gebräuchlich, löst Antependium ab (ältestes erhaltenes Exemplar aus dem 12. Jh.).
Ciborium / Ziborium: Überbau in Form eines Baldachins, zunächst zur Auszeichnung eines Heiligengrabs, später allgemein über Altären.

 

Altarschranken


Niedrige Schranken aus Stein, Holz oder Metall, die den dem Priester vorbehaltenen Bereich vor dem Altar vom übrigen Innern der Kirche abgrenzen. Typisch für katholische Kirchen. Hervorgegangen aus den Chorschranken.

 

Andachtsbild


Entstehung mit der deutschen Mystik des 14. Jh., dient der kontemplativen Andacht, die durch Versenkung und Meditation zur mystischen Vereinigung mit dem Dargestellten (Christus, Maria) führt, verbunden mit Mitfühlen / Mitleiden= "Kontemplatio".
 
Typen
1. Pieta (Vesperbild): Trauernde Maria, die den toten Christus auf ihrem Schoß hält. Quelle sind dichterische Marienklagen des 12. Jh. Die ersten Darstellungen stammen aus Altbayern, Tirol und dem fränkisch-thüringischen Gebiet im 14. Jh. Typisch für die frühen Darstellungen ist ein expressiv schmerzverzerrtes Gesicht der Maria, ab 1400 Durchsetzung eines "weichen Stils", v. a. in Schlesien und Österreich.
2. Schmerzensmann: Der gemarterte Christus nach seinem Tod am Kreuz - toter Mensch / lebender Gott; nach der Zweinaturenlehre Christi. Der Schmerzensmann kann in Zusammenhang mit Passionsszenen stehen oder als Engelspieta von Engeln getragen sein.
3. Johannes-Christus-Gruppe: Aus der Abendmahlsszene herausgelöste Gruppe von Christus und seinem Lieblingsjünger Johannes, der sich an Christus lehnt. Quelle ist das Johannesevangelium. Ziel der mystischen Versenkung ist hier die Vereinigung der Seele des Andächtigen mit Johannes. Gebräuchlich im 14. Jh., besonders verbreitet in Klöstern im Bodenseeraum und Oberschwaben.
4. Heiliges Grab: Bestandteil der Passionspiele, v. a. im Süddeutschen Raum verbreitet. Heilige Gräber gibt es schon in der Romanik, sie sind nur eingeschränkt als Andachstsbild zu werten.
5. Christus im Elend / auf der Rast: Sinnender Christus vor der Kreuzigung, auf einem Stein sitzend: "Du, Mensch, bist der Grund für meine Schmerzen". Jerusalempilgern waren "Heilige Steine" bekannt, auf denen Christus vor der Kreuzung gerastet haben soll.
6. Jesuskind: Bestandteil der Weihnachtspiele, bei denen die Geburt Christi nachgespielt wurde, bzw. wird (Siehe auch Passionsspiele).
7. Herz-Jesu: Herz, mit den Arma Christi (Leidenswerkzeuge).

 

Apokalypse


 

Apokryphen


Schriften mit unbekannter Herkunft zur Ergänzung und Ausschmückung biblischer Erzählungen (im Gegensatz zu den kanonischen Büchern der Bibel). Ihre Bezeichnung leht sich an die Evangelien an (Thomas-Evangelium, Pseudo-Matthäus etc.).
Neutestamentarische Apokryphen entstehen schon im 1. und 2. Jh. Ihre Inhalte sind volksnah und populär. Sie entstanden aus dem Bedarf, über bestimmte Geschichten der Bibel mehr zu erfahren. So entstand mit dem entstehenden Marienkult das Bedürfnis, mehr über das Marienleben zu erfahren, über das im Neuen Testament nur am Rande berichtet wird. Auch die Geburt Jesu und andere Themen waren beliebter Inhalt von Apokryphen.

 

Apostel


Die Apostel sind jene zwölf Jünger, die Jesus auswählte, damit sie den christlichen Glauben in der Welt verbreiten. Ihr Wirken wird in den vier Evanglien, den Apostelbriefen des Neuen Testaments sowie in den apokryphen Apostelbriefen und der Apostelgeschichte geschildert.
 
Die einzelnen Apostel und ihre Attribute
1. Petrus: Schlüssel
2. Andreas: Schrägbalkenkreuz (Andreaskreuz)
3. Jakobus d. Ä.: Muschel, Pilgerhut
4. Johannes: Kelch mit Schlange
5. Phillipus: Kreuz
6. Bartholomäus: Messer
7. Matthäus: Beil, Meßstab, Winkelmaß
8. Thomas: Lanze, Winkelmaß
9. Jakobus d. J.: Walkerstange
10. Simon Zelotes: Säge, Beil
11. Judas Thaddäus: Hellebarde, Steine, Keule, Beil
12. Judas Iskarioth: Geldbeutel
13. Matthias: Beil, Lanze, Steine
Nach Verrat und Selbstmord des Judas Iskarioth wurde matthias an seine Stelle gewählt.

 

apotropäisch


So nennt man figürliche Elemente an Gebäuden, die den Zweck hatten, böse Dämonen abzuwehren. Man findet solche apotropäischen Gestalten sehr häufig in der mittelalterlichen Plastik an Kirchen, wo sie an Gesimsen, Konsolen, Kapitellen und Wasserspeiern angebracht sind. Sie befinden sich vorrangig am Außenbau aber auch im Innern, häufig in gewisser Höhe oder an Portalen. Die Motive sind meist Monster und Tiere, die meist aus römisch-griechischen oder einheimischen Bestiarien stammen. Häufig sind auch Fratzen und Lasterdarstellungen, in der romanischen Kunst zum Teil auch sehr derbe sexuelle Darstellungen.

 

Apsis


 

Archivolten


1. Bogen im Gewände romanischer und gotischer Portale, die eine Fortsetzung des Gewändes bilden.
2. In ursprünglicher Bedeutung die durch übereinanderliegende und von unten nach oben stufenweise leicht vorspringende Streifen geschmückte Stirnseite eines Bogens. So zu finden in der Antike und Renaissance.

 

Arkade


Ein auf Stützen (Pfeilern, Säulen) ruhender Bogen. Eine fortlaufende Reihe von Arkaden (Arkatur) wird Arkaden genannt, ebenso ein Gang, welcher auf einer Seite von Arkaden begrenzt wird.

 

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B

Blendarkaden


Arkade, die einer Wand zur Gliederung aufgelegt ist, ohne Zwischenraum zwischen Arkade und Wand. Vor allem in der romanischen und gotischen Architektur angewandt.

 

Bundeslade


 

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C

Cherubim


 

Chor


 

Chorgestühl


 

Chorgitter


Chorgitter (auch Daxale gen.) folgen in ihrer Funktion den Chorschranken, welche sie ab dem 15. Jarhundert ablösen. Im Gegensatz zu den Chorschranken, die den Blick auf den Altarraum nach außen hin verstellt hatten sind die Chorgitter durchsichtig - dies entspricht der Reformbewegung in der Kirche, die den Laien einen höheren Anteil am Gottesdienst gewähren wollte. Sie sind hauptsächlich in barocken Kirchen zu finden; in protestantischen Kirche ist der Altarraum meist offen.
Blüte der Chorgitter war im Barock, wo sie zu den bedeutendsten Werken der Schmiedekunst zählen.
 
Beispiele für Chorgitter: Amorbach, Würzburg, Nikolaikirche in Stralsund

 

Chorschranken


Seitliche, bei Vorhandensein eines Chorumgangs auch rückwärtige, Abgrenzungen des Chores gegen den Laienbereich der Kirche.
Die Höhe beträgt um 2 bis 3 m, das Material ist meist Stein, manchmal auch Holz. Die Außenseiten sind meist mit Blendarkaden geschmückt mit figürlichen oder ornamentalem plastischen, seltener auch gemalten Elementen. Die Innenseite ist dagegen glatt, hier befindet sich meist das Chorgestühl.
Voll ausgeprägt sind die Chorschranken im 12. Jahrhundert. Ab dem 15. Jh. werden die Chorschranken zunehmend durch ein Chorgitter ersetzt.
Die Funktion der Chorschranken lag in der hieratischen Scheidung von Klerus, bzw. Chorherren und Laienvolk, ihre Ersetzung durch Chorgitter bringt die Forderung der Laien nach größerer Anteilnahme am Gottesdienst zur Geltung. Zu unterscheiden von den kleinen Altarschranken, die nur einen kleinen Raum vor dem Altar abgrenzen.
 
Beispiele für Chorschranken: St. Michael in Hildesheim, Liebfrauen in Halberstadt, Bamberger Dom

 

Chorumgang


Ein um den Chor herumlaufender Gang, der durch die Weiterführung der Seitenschiffe entsteht, meist durch eine Arkade vom Chorraum abgetrennt. Dem Chorumgang ist außen häufig ein Kranz von Kapellen angeliedert. Über dem Chorumgang kan sich eine Empore befinden (Emporenumgang).
Der Chorumgang wurde in Frankreich als Prozessionsweg um das im Chorraumbefindliche Heiligengrab herausgebildet, wo er auch vorrangig vorkommt. Dort war er schon in karolingischer Zeit vorhanden, die volle Ausprägung erlangte er im 11. Jahrhundert, in der Gotik gehörte er zur festen Ausstattung der Kathedralen.

 

Christus


Siehe unter folgenden Stichworten: Lebesstationen Christi, Christussymbole, Kruzifix, Majestas Domini, Vera icon, Andachtsbild, Jüngstes Gericht, Leidenswerkzeuge

 

Christus im Elend / auf der Rast


 

Christusmonogramm


 

Christussymbole


Abstrakte Zeichen und Tiere, sowie Pflanzen, Farben und Zahlen. Ihre Quellen sind vorrangig das Neue Testament und der Physiologus, daneben gehen sie auf Symbole älterer Kulturen zurück, die mit einer neuen Bedeutung belegt werden. Die Blüte der christlichen Symbolverehrung fand im Mittelalter statt. Besonders in dieser Zeit wurden Symbole häufig mit Mehrfachbedeutungen verbunden.
 
1. Christusmonogramm: Kombination der Buchstaben chi (x) und rho (p)
2. Fisch: christliches Bekenntnis (ICHTYS)
3. Lamm: Symbol für Kreuzigung (Kreuz) und Auferstehung (Fahne)
4. Pelikan: Laut Physiologus rettet der Pelikan seine Kinder durch sein eigenes Blut vor dem Gift der Schlange und wird daher als Symbol für den Opfertod Christi verstanden. Es gibt daneben noch viele weitere Tiere, die mit Christus in Verbindung gebracht werden.
5. Pflanzen: Erdbeere, Weinstock ("Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben", Verweis auf Eucharistie)
6. Farben: weiß, rot
7. Zahlen: 5 - Wundmale Christi, 8 - Auferstehung
8. Brot: "Ich bin das Brot des Lebens", Verweis auf Eucharistie
9. Buchstabenkombination: XPC (griech.), bzw. IHS (lat.)

 

crux gemmata


Typus der Christusdarstellung. Ein mit Edelsteinen und Gemmen verziertes regelmäßiges Balkenkreuz, das seit dem 4. Jahrhundert als Herrschaftszeichen gebräuchlich war. In Mittelpunkt der Verehrung stand in Mitteleuropa seit dem 5. Jahrundert ein "crux gemmata", Theodosius II. auf Golgatha hatte errichteten lassen. Das crux gemmata gehört zum Typus des Triumpfkreuzes.

 

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D

Daktylothek


Sammlung von antiken Gemmen, bzw. von Abdrücken von Gemmen.

 

Daxal


Anderes Wort für Chorgitter.

 

Dienst


 

Dreikonchenanlage


 

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E

Ekklesia und Synagoge


 

Eleusa


Typus der Mariendarstellung.

 

Engel


Seit dem 4. Jahrhundert meist mit zwei Flügeln und Heiligenschein dargestellt. In frühchristlicher Zeit nach dem Vorbild antiker Genien (Schutzgeister) und Niken mit einer Tunika bekleidete männliche, bzw. geschlechtslose Gestalten. In der byzantinischen Kunst erscheinen sie auch in Hoftracht.
Im Mittelalter entsteht der Typus des schönen Engels, der meist in zeitgenössiger Diakonentracht dargestellt wird. Im Jüngsten Gericht erscheinen Engel mit Posaunen und Leidenswerkzeugen.
In der Frührenaissance sind liebliche, frohlockende und musiziernde Engel üblich; in der italienischen Kunst gibt es auch Mädchenengel.
Seit Giotto und in der deutschen Malerei des 14. Jahrhunderts kommen Kinderengel auf, die dann in der Renaissance und im Barock vorrangig auftreten. Diese Kinderengel sind als Putten (nackte Kleinkinder) mit den antiken Eroten verwandt. Beliebt sind auch geflügelte Köpfe von Kinderengeln.

 

Engelshierarchie


Am obersten Ende der Engelshierarchie stehen die Erzengel Michael, Gabriel, Raphael und Uriel. Gemeinsam können sie als "Leibwache" von Christus und Maria in Hoftracht und mit Herrschaftsabzeichen dargestellt werden.
Michael ist Anführer der himmlischen Heerscharen und Kämpfer gegen die Mächte der Finsternis. Als solcher ist er mit Schwert oder Lanze gerüstet und wird häufig im siegreichen Kampf gegen das Böse, verkörpert durch einen Drachen, dargestellt.
Gabriel ist der Gottesbote und als Verkündigungsbote der jüngfräulichen Geburt mit einer Lilie als Symbol für die Keuschheit Marias ausgestattet.
Raphael ist der Schutzengel der Pilger und Wanmderer und häufig mit Pilgertasche und Wanderstab dargestellt.
 
Die Cherubim sind die Thron- und Altarwächter, Hüter des Paradises oder des Allerheiligsten. Später treten sie als Ehrengeleit Gottes oder Christi auf. Sie können in zwei Formen dargestellt werden:
Als Tetramorph erscheinen sie als vier Gestalten, mit den Köpfen von Mensch, Löwe, Stier und Adler. In dieser Gestalt kommen sie schon im Alten Testament als Hüter der Bundeslade vor. Im frühen Mittelalter verselbständigen sie sich zu den Evangelistensymbolen.
Als Cherubengel besitzen sie ein menschliches Gesicht und vier Flügel mit Augen und stehen auf einem Rad. Manchmal können sich diese Merkmale mit denen der Seraphim mischen, die Indentifizierung ist dann nicht eindeutig möglich (Beispiel: Halberstädter Triumphkreuzgruppe).
 
Die Seraphim sind sechsflüglige, zoomorphe Wesen. Im Zusammenhang mit dem Jüngsten Gericht werden sie mit glühenden Kohlen in den Händen dargestellt, zum Tilgen der Sünden. Sie können auch Merkmale der Cherubengel aufweisen, wie menschliches Gesicht und Rad.

 

Engelspieta

 

Entasis


Siehe Säule.

 

Eroten


 

Erzengel


 

Eucharistie


Die Feier des Abendmals. Siehe auch Hostie).

 

Evangelisten


Die Evangelisten sind die Autoren der vier Evangelien im Neuen Testament, die das Leben Jesu und seine Auferstehung beschreiben: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
In der bildenden Kunst werden sie besonders im Mittelalter sehr häufig durch die Evangelistensymbole dargestellt: Matthäus ist der Engel zugeordnet, Markus der Löwe, Lukas der Stier, und Johannes der Adler. Die vier Evanglistensymbole haben ihren Ursprung in den Cherubim, den himmlischen Altar- und Thronwächtern. Sie werden in den Gottesvisionen Hesekiels (AT) und in der Offenbarung des Johannes (NT) erwähnt. Sie treten häufig im Zusammenhang mit dem thronenden Christus, besonders Christus in der Mandorla, und dem Jüngsten Gericht auf. Eindeutig als Evangelistensymbole identifiziert werden die Thronwesen erst in der frühmittelalterlichen Buchmalerei.

 

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F

Falten


Falten spielen in der bildenden Kunst eine wichtige Rolle als Ausdrucksträger. Ihre Wiedergabe war typologischen Änderungen unterworfen, weshalb man ein Kunstwerk nach seinem Faltenstil stilistisch einordnen und datieren kann.
Den aufgeölbten Teil einer Falte nennt man Wulst, die Vertiefung Kehle; die höchste Stelle einer Faltenwulst nennt man Scheitel.

 

Fiale


 

Fotografie


1838 läßt sich Louis Jaques Daguerre das Verfahren der "Daguerrotypie" patentieren. Die Daguerrotypie ermöglicht sehr scharfe Bilder auf Metallträgern; allerdings nur Unikate, keine Abzüge, und ist noch relativ kostspielig.
1841 entdeckt Henry Talbot des erste Negativ-Positiv-Verfahren. Es weist in der Qualität und Ästhetik gegenüber der Daguerrotypie noch erhebliche Schwächen auf, ist dagegen aber massentauglich: vom Negativ können beliebig viele, preiswerte Papierabzüge gemacht werden.
Die Öffentlichkeit reagiert positiv auf die Fotographie, man sieht ihren Nutzen zunächst vorrangig in der Porträtfotographie, welche einen Boom erlebt und auch die einfachen Schichten der Gesellschaft erreicht.
Der künstlerische Wert der Fotographie wird dagegen erst später gewürdigt. Allerdings versuchen Künstler von Anfang an, das neue Medium künstlerisch zu nutzen, dabei orientierte man sich jedoch noch an der Malerei und bestehenden Traditionen der Darstellungsweise (Henry Peach Robinson).
Im technischen Bereich bemüht man sich ständig, das fotographische Verfahren zu vereinfachen und v. a. die langen Belichtungszeiten zu verkürzen (bisher konnte man keine schnellen Bewegungen festhalten). Das schnelle Nasse-Colodium-Verfahren von 1861 ermöglichte durch seine relativ kurze Belischtungszeit erstmals eine Dokumentation von Ereignissen und führte zur Geburt des Fotojournalismus (zuerst Kriegsberichterstattung); auch das fotografieren von Alltagsszenen war nun möglich. Allerdings war das Verfahren sehr aufwendig und teuer. Verschiedene Verbesserungen waren nötig, um es wirklich praxistauglich zu machen.
Mit der technischen Verbesserung der Fotografie kam es zu einem Boom der Reiseberichtersteattung; die enthusiastische Pioniere der Fotografie ließen sich dabei auch nicht von schweren Ausrüstungen und immernoch komplizierten Verfahren abhalten. Fotografie wurde auch in der aufkommenden Denkmalpflege zur Dokumentation eingesetzt.
Die Entwicklung eines extrem kurzen Belichtungsverfahrens gegen Ende des 19. Jh. ermöglichte gegen Ende des Jahrhunderts Momentaufnahmen. Nun konnten auch alltägliche Szenen fotographiert werden. Fotographie wurde verstärkt zur wissenschaftlichen Dokumentation eingesetzt, zur Erfindung des Film war es nicht mehr weit.
1888 erschloss die leichte und einfach zu bedienende Kamera "Kodak I", die mit einem Papierfilm arbeitete, die Fotographie den Amateuren. 1930 entwickelte Agfa den ersten massentauglichen Farbfilm. Die Entwicklung neuer Anwendungsmöglichkeiten der Fotographie machten sie allgegenwärtig: Presse-, Dokumentations-, Mode-, Werbefotographie. Gleichzeitig entdeckten Künstler ausgehend von den USA gegen die Jahrhundertwende erstmals den eigenen künstlerischen Wert der Fotographie, unabhänig vom Vorbild klassischer Medien, wie der Malerei.

 

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G

Gabriel, Erzengel


 

Maria Galaktotrophusa


Siehe Maria Lactans, Marientypus.

 

Gemme


Kleinformatiges Flachrelief, welches aus einem Stein mit verschiedenfarbigen Schichten geschitten wurde, so dass das Relief eine andere Farbe hat als der Untergrund. Meist wurde dazu Edelstein verwendet, aber auch Alabaster (Onyx), Muschel oder Glas.
Gemmen wurden v. a. in der römischen Antike hergestellt, und zwar in großen Mengen.

 

Gesims


Ein meist horizontales (manchmal auch schräges) Bauelement, welches die Wand in verschiedene Abschnitte gliedert.

 

Gewände


Angeschrägte Mauerfläche seitlich eines Portals oder Fensters (Laibung). Das Gewände ist häufig profiliert (mit einem Profil versehen) oder von innen nach außen hin durch Säulen oder Figuren abgestuft (siehe Stufenportal).

 

Golgatha


Die "Schädelstätte". Berg, auf dem Jesus gekreuzigt wurde.

 

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H

Heiliges Grab


Grab Jesu in Jerusalem, aus dem er am dritten Tage auferstanden ist. Häufig nachgebaut in Kirchen und verwendet in Zusammenhang mit Passionsspielen oder in der Form nachempfunden z. Bsp. bei Kapellen etc.

 

Herz-Jesu


 

Maria Hodegetria


Marientypus.

 

Hostie


Geweihte Oblate, die als Abendmahlssakrament verwendet wird.
Als Transsubstantation bezeichnet man die Verwandlung der Oblade in den Leib Christi während der Messe. Bis 1200 wurde dieser Vorgang den Gläubigen nur durch ein Klingeln signalisiert. 1215 wurde die Transsubstantation auf dem Lateranskonzil zum Dogma erklärt. Gleichzeitig fand eine Entwicklung zur aktiveren Teilnahme der Gemeinde an der Messe und dem Abendmahl statt. Es entwickelte sich nun eine Schaufrömmigkeit: die Hostie wurde vom Priester für alle sichtbar erhoben (Elevation) und herumgezeigt. In einer Monstranz eingefasst konnte sie der Gemeinde präsentiert und herumgetragen werden (Expositio).
 
Hostienmirakel dienten als Beweis für die tatsächliche Transsubstantation gegen Ungläubige.
 
Im 14. Jh. entstand im Zuge der Individualisierung und Mystifizierung von Frömmigkeit die Fronleichnamsprozession, das "Fest des Herrenleibes", bei dem eine Hostie einer Prozession vorangetragen wird. Dieser Brauch, der in einem Lüttischer Kloster entstand, fand bald Eingang in den christlichen Festkalender.
 
Da die geweihte Hostie nicht weggeworfen werden durfte, entwickelten sich in der christlichen Kunstgeschichte verschiedene Hostienbehälter.
Zunächst dienten dazu Büchsen (Pyxis): torres (Grab)türme, die einen Bezug auf das Grab Christi darstellten und in ottonischer Zeit eucharistische Tauben.
Wandnischen und Tabernakel dienten zur Aufbewahrung der Hostien und anderer Messgeräte.
Den aufwendigsten Ausdruck fand die Hostienverehrung in den spätmittelalterlichen Sakramentshäusern.

 

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I

Ikonographie


"Themenkunde", befaßt sich mit den Themen, bzw. Inhalten von Kunstwerken. Das Wort setzt sich zusammen aus ikon=Bild und graph=schreiben.

Maria immaculata


Typus der Mariendarstellung.

 

Intarsien


Aus Holz, Stein, Metall oder anderen Materialien zusammengesetzte gemusterte Oberflächen. Holzintarsien bestehen aus in verschiedenen Schichten aufeinandergeklebten, verschiedenfarbigen Holzplättchen, deren Oberfläche beschnitzt sein kann (Reliefintarsien). Um eine möglichst große Farbigkeit zu erreichen, wurden verschiedene Hölzer verwendet, diese konnten auch noch farbig gebeizt werden.
Mit Intarsien konnten rein dekorative Muster oder figürliche und landschaftliche Szenen und Stilleben erzeugt werden. Man verwendete sie zum Schmuck von Möbeln (Tische, Stühle, Schränke, Sekretäre, Kirchengestühl), Wandverkleidungen und kleineren Luxusgegenständen, wie Kästchen und dergleichen.
Intarien waren ideale Sammlerstücke und fanden daher im 17. Jh. häufig Eingang in Kunst- und Wunderkammern. Beliebt waren Intarienschränke. Zentrum dieser Holzintarsien war Eger. Andere Zentren waren Amsterdam (Schiltplattintarsien), Augsburg (Silberintarien), Tirol und Italien (Stein); letzteres ist das älteste Zentrum.

 

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J

Johannes-Christus-Gruppe


 

Die klugen und die törichten Jungfrauen


Ein beliebtes Thema in der gotischen Portalplastik sind die klugen und die törichten Jungfrauen. Diese Alegorie geht auf ein Gleichnis von Jesus aus dem Neuen Testament zurück. Darin warten sieben kluge und sieben törichte Jungfrauen auf ihren Bräutigam. Die klugen haben ihre Lampe mit Öl gefüllt und sind darauf vorbereitet mit ihm zu gehen, während die törichten ihr Öl vergessen haben. Das ganze ist natürlich auf den Gläubigen und das Paradies bezogen: nur wer ein gottgefälliges Leben führt, auf den Tod also vorbereitet ist, wird vor dem höchsten Richter Gnade finden. Wer dagegen nur in den Tag hinein lebt, dem wird die Himmelstür verschlossen bleiben.
 
(Beispiele: Straßburger Münster, Magdeburger Dom).

 

Jüngstes Gericht


Das Weltgericht ist seit dem 6. Jh., hier zuerst in der byzantinischen Kunst, als Thema der Kunst nachgewiesen. Darstellungsformen: Jesus trennt die Böcke von den Schafen; also die schlechten Menschen von den guten, Majestas domini. Zuerst findet sich das Thema auf Sarkophagen, in Apsismosaiken und in der Buchmalerie.
Im 8. / 9. Jh. vollzieht das Weltgerichtsthema ein Wandlung von der symbolischen Darstellungsform hin zur narrativen Darstellung; d. h. die Geschehnisse des Jüngsten Gerichts, wie sie aus der Offenbahrung des Johannes bekannt sind, werden detailliert wiedergegeben und erzählerisch ausgeschmückt. Ab dem 11. Jh. finden sich monumentale Darstellungen des Weltgerichts im Tympanonschmuck der Kirchen und als Reliefschmuck an Fassaden; erstmals in Italien, dann v. a. in Frankreich und auch in Spanien und Deutschland. Bei der Darstellung der Hölle tauchen im 12. und 13. Jh. Bezüge auf Dantes göttliche Kommödie auf, in welcher der Aufbau der Hölle und die Arten der verschiedenen Qualen geschildert werden.
Ihren Höhepunkt hatte die Darstellung des Weltgerichts in der mittelalterlichen; besonders romanischen, Plastik. Doch auch in Renaissance und Barock kam das Jüngste Gericht häufig zur Darstellung; v. a. in der Malerei. Eine bizarre Lebendigkeit erhielt die Darstellung der Hölle im 16. Jh. in der Malerei von Hieronymus Bosch, die bei ihm ein Eigenleben erhielt.
 
Autun, Saint-Lazare, Tympanon des Westportals (1130-1145); Conques-en-Rouergue, Sainte-Foy, Tympanon des Westportals (2. Viertel 12. Jh.); Michelangelo

 

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K

Kämpfer


Zone, an der die Krümmung eines Bogens oder eines Gewölbes beginnt und an der die Lasten des Bogens oder Gewölbes vom aufgehenden Mauerwerk aufgenommen werden.

 

Kapitell


Ausladendes Kopfstück einer Stütze (wie Säule, Pfeiler), welches zwischen Stütze und lastendem Architekturelement vermittelt.
Die Kapitellformen haben in der Kunstgeschichte eine stilistische Entwicklung durchlaufen, weshalb ihre Form ein gutes Mittel zur stilistischen und zeitlichen Einordnung eines Bauwerks ist.

 

Kirchenportal


Das Kirchenportal ist in früheren Vorstellungen der Übergang vion der durch Teufel und Dämonen verunsicherten Welt in das Haus Gottes. In dieser Funktion sollte es zum einen böse Geister abschrecken, zum anderen den eintretenden Gläubigen daran gemahnen, das der Weg ins Himmelreich nur über die Bevolgung der 10 Gebote und ein Gottesfürchtiges Leben möglich war.
Auf Grund dieser Bedeutung des Portals war es meist reich geschmückt. Die Gewände an den Seiten und das Tympanon - das Bogenfeld über der Tür - wurden dabei für aufwendige Skulpturprogramme genutzt.

In der Romanik wurde besonders häufig das Jüngste Gericht dargestellt, wobei dem Betrachter die Quallen der Hölle auf erschreckende Weise vor Augen geführt wurden, die ihm blüten, wenn er die Gebote der Kirche nicht befolgte. Damit kommt hier der Anspruch der Kirche auf Vermittlerin und Stellvertreterin Gottes auf Erden zum Ausdruck.
In der Gotik spielt dieses Thema auch noch eine bedeutende Rolle, wird aber in der Bauplastik nicht mehr so drastisch wiedergegeben. Daneben wird auch die Fürbitte der Heiligen und Marias für die Seelen der Verstorbenen dargestellt.
An den Seiten des Portals wurden häufig die Apostel und Heilige dargestellt. Daneben treten oft Propheten und andere Gestalten aus dem Alten Testament auf, die den neutestamentarischen Gestalten gegenübergestellt werden. Daneben können auch Darstellungen der Laster und Tugenden und Ekklesia und Synagoge auftreten. Ein beliebtes Thema in der gotischen Portalplastik sind auch die klugen und die törichten Jungfrauen.
Die kleineren Architekturelemente, wie Archivolten (die Bögen über dem Portal), Kapitelle und Konsolen werden besonders gern für die Darstellung biblischer Szenen und Allegorien aber auch für Monatsdarstellungen genutzt.
 

 

Konchen


Halbrunde Anräume mit Halbkuppel, häufig um einen Zentralraum gelegt. Im Gegensatz zu Apsiden beherbergen sie keinen Altar und treten auch an Profanbauten auf. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass nebeneinander liegende Apsiden immer in die selbe Richtung zeigen, dies für Konchen jedoch nicht gilt.
Eine Dreikonchenanlage stellt eine Kombination von Langhaus und Zentralbau dar. Die Kirche besitzt einem zentralisierten Abschluß, um den kleeblattartig drei etwa gleichgroße Konchen gelegt sind, die in verschiedene Richtungen zeigen. An die vierte Seite schließt sich das Langhaus an. Zu unterscheiden von einem Dreiapsidenchor, bei dem die Apsiden alle in die gleiche Richtung weisen.

 

Konsole


Vorspringendes Tragelment, auf dem Bögen, Gewölbeanfänge, Gesimse, Plastiken und ähnliches lagern können.

 

Kreuzaltar


 

Kruzifix


Wortherkunft: crux= lat. "Kreuz", figere= lat. "anheften" / "anschlagen"
Allgemein eine isolierte Darstellung des Gekreuzigten, ohne szenisches Beiwerk und ohne Figuren in der Malerei und Plastik.
Hinweis auf die Wiederkehr Christi zum Gericht; Sieg und Triumph Christi über Tod und Sünde; Realität von Leiden und Sterben Jesu und williges Aufnehmen des Leidens für die Erlösung der sündigen Menschheit.
Ergänzung der Darstellung durch Fußbett, Symbole des Jüngsten Gerichts und eine Majestas Domini mgl.
 
Kunstgeschichtliche Entwicklung:
Gekreuzigter und Kreuz machten in jeder Epoche Veränderungen durch; Übergangs- und Mischformen machen eine genaue Klassifizierung unmöglich.
Im Frühchristentum gelangte der gekreuzigte Christus zunächst nicht zur Darstellung, da die Kreuzigung als die schändlichste Art der Hinrichtung galt.
In der byzantinischen Kunst Darstellung des Gekreuzigten als Sieger über den Tod und das Leid der Menschheit tragend. Siet dem 6. Jh. gibt es hier Enklopien und Pektoralkreuze mit Darstellung der Kreuzigung oder des zum Gericht Wiederkehrenden, selten jedoch ohne Nebenfiguren. Die zunächst nur lebende Darstellung wird im 7. Jh. durch den toten Jesus abgelöst.
In der abendländischen Kunst wird der Gekreuzigte bis ins 9. Jh. zunächst lebend, dann zunehmend auch tot dargestellt. Die frühesten Kruzifixe stammen aus karolingischer Zeit. In der Romanik zuerst als Sieger über den Tod (lebend), dann auch als leidender, bzw. toter Christus dargestellt.
In der Gotik erscheint der Gekreuzigte als Toter, der leidende Ausdruck wird verstärkt.
Im 16. und 17. Jh. gibt es den lebenden, sich am Kreuz aufbäumenden, Christus neben dem ruhig und ausgeglichen am Kreuz Hängenden.
 
Während der Kruzifix in katholischen Gegenden bis heute weite Verwendung in verschiedensten Anbringungs- und Verwendungsformen findet, wurde er in der Reformation neuen Regeln unterworfen: die reformierte (bzw. calvinistische Kirche) verzichtete gänzlich auf die Darstellung des Gekreuzigten, in der lutherischen Kirche ist sie zwar weiterhin die Regel, aber erst wieder im 17. Jh. nachweisbar.
V. a. mittelalterliche Kruzifixe sind in verschiedenen Regionen ausgesprochen selten: In reformierten / calvinistischen Gegenden (wie Niederlande) fehlen sie ganz, in England wurden Kruzifixe auf einen Beschluß von 1643 allgemein entfernt und in Frankreich von Bilderstürmern der Religionskriege größtenteils zerstört. In anderen Gegenden, wie Deutschland, Italien und Spanien sind sie dagegen häufiger zu finden.
 
Typen
monumentaler Kruzifix: Das früheste erhaltene Beispiel für einen voll ausgebildeten monumentalen Kruzifix mit plastischer Darstellung des Gekreuzigten ist das Gerokreuz im Kölner Dom (um 970). Monumentale Kruzifixe, i. d. R. aus Holz oder Metall, gehörten zur Standartausstattung mittelalterlicher Kirchen und dienten oft als Reliquienbehälter.
Altarkreuz: Seit dem 11. Jh. allmähliche Verbreitung, ab 1570 allgemein vorgeschrieben.
Triumphkreuz
Cruzifixus dolorosi: "Leidender Gekreuzigter". Im deutschen Raum und Italien im 13. Jh. verbreitete Christusdarstellung am Gabelkreuz mit weit durchhängenden Armen, ausgemergeltem Körper und Geißelwunden.
Wegekreuz: In der Neuzeit in katholischen Gegenden weit verbreiteter Typus eines Kreuzes an Wegrändern und Feldern, häufig als Kruzifix ausgebildet (Süddeutschland, Österreich).

 

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L

Maria Lactans


Marientypus.

 

Lamm


Christussymbol

 

Lebensstationen Christi


Reihe von Einzeldarstellungen, in denen das narrative Element vorherrscht, zusammengefaßt in Bildfolgen. Darstellung in Wandmalerei, Mosaiken, Tafelbildern (v. a. auf großformatigen Altarretabeln), Miniaturen (Buchmalerei), Druckgraphik (Kupferstich- oder Holzschnittsereien) und Reliefs (Buchdeckel, Schnitzaltäre, Sarkophage, etc.).
Als Quelle dienen die Evangelien und Apokryphen. Es existiert kein kanonischer Bilderzyklus, die Anzahl und Auswahl der Stationen kann sehr verschieden sein; häufig werden auch nur Teilabschnitte, wie die Passionsgeschichte, dargestellt. Großen Einfluß erlangten in der frühen Neuzeit graphische Zyklen, wie Dürers "Kleine Passion" von 1510, die als 34-teiliger Holzschnittzyklus große Verbreitung fand und anderen Darstellungen als Vorbild diente.
 
Passionsgeschichte
Geschichte von Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Dargestellt seit dem 4. Jh., zunächst nur in wenigen Stationen (Sarkophage, Buchmalerei). Seit dem 8. Jh. wird dabei auch die Darstellung des leidenden Christus üblich. Im 12. Jh. wird das Szenenspektrum erweitert und es erfolgt eine stärkere Enmotionalisierung. Die Passionsgeschichte wird zudem auch szenisch in Passionsspielen dargestellt.
Einzelne Stationen der Passion
1. Einzug in Jerusalem: Jesus reitet auf einem Esel nach Jerusalem ein; Menschen breiten Kleider vor ihm aus und begrüßen ihn mit Palmzweigen (Symbole für Passion und ewiges Leben). Seit der frühchristlichen Kunst als Triumphzug Christi gedeutet - Einzug des neuen Königs.
2. Abendmahl: erste Darstellung um 500. Jesus bricht das Brot und verteilt es an seine Jünger; Kennzeichnung des Verräters Judas durch einen Beutel Silberlinge an dessen Gürtel, bzw. dadurch, dass er zur gleichen Zeit in die Schüssel greift wie Jesus.
3. Fußwaschung (Joh.Ev.): Während des Abendmahls wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße (meist Petrus dargestellt).
4. Ölbergszene (Mat.Ev.): besonders im byzantinischen Kunstkreis gebäuchlich, in der deutschen Kunst seit 13. häufig. Darstellung des Gebets Jesu und die schlafenden Jünger.
5. Judaskuss: Judas kennzeichnet Jesus für die römischen Schergen. In dem Zusammenhang auch Darstellung von Petrus, wie dieser Malachus das Ohr abhaut.
6. Christus wird vor den Hohepriester Hannas geführt (Joh.Ev.): seltene Darstellung
7. Christus vor Keiphas: Jesus wird durch den Vorsitzenden des hohen Rates verhört; ebenfalls seltene Darstellung
8. Verspottung Christi: Christus mit verbundenen Augen wird von Soldaten gedemütigt; altes Motiv
9. Christus vor Pontius Pilatus (Statthalter von Jerusalem): rechtskräftige Verurteilung Jesu
9. Christus vor Herodes (Luk.Ev.)
10. Dornenkrönung: Verspottung als "König der Juden" (Pilatus), gekleidet mit Purpurmantel und Rohrzepter wird Jesu von Soldaten eine Dornenkrone auf's Haupt gepresst. Üblich seit 14. Jh., Christus als stiller Dulder.
11. Ecce home (Joh.Ev.): Zurschaustellung Christi vor der Menge, die seinen Tod fordern; Pilatus versucht damit an das Mitleid des Volkes zu appellieren. Häufig auch als Einzeldarstellung.
12. Handwaschung des Pilatus (Mat.Ev.): Zeichen der Unschuld
13. Kreuztragung: Sturz Jesu, auch Verbindung mit Veronika, die Jesus das Schweißtuch reicht (Vera icon).
14. Kreuznaglung: Jesus wird ans Kreuz geschlagen
15. Kreuzigung ( va. a. Joh. Ev.): Seit 5. Jh. dargestellt; auch in Funktion eines Andachtsbilds.
16. Kreuzabnahme (nicht in Evangelien)
17. Beweinung Christi (nicht in Evanglien)
18. Grablegung
19. Auferstehung
20. Christus erscheint Maria (nicht in der Bibel): früheste Darstellung im 14. Jh.
21. Noli me tangere: Christus erscheint vor Maria Magdalena; "noli me tangere" - berühre mich nicht, denn ich bin noch nicht aufgefahren
22. Gastmahl in Emmaus: Christus gibt sich seinen Jüngern zu erkennen.
23. Der ungläubige Thomas (Joh. Ev.): Christus läußt Thomas seine Wunde berühren, da dieser seinen Augen nicht glauben will.
24. Christus in der Vorhölle: Christus steigt nach seiner Auferstehung in die Vorhölle, um dort die Patriarchen des alten Testaments zu erlösen
25. Himmelfahrt: seit 4. Jh. dargestellt
26. Pfingstwunder (Apostelgeschichte): Ausgießung des heiligen Geistes über die Apostel und seit dem 6. Jh. auch Maria
27. Das jüngste Gericht (Offenbahrung des Johannes)

 

Legenda aurea


Sammlung von Heiligenlegenden, erstellt durch Jacobus Voragine (1230-1298), der zeitweise Bischof von Genua war. Als Angehöriger des Dominikanerordenes, also eines volksnahen Bettelordens, mag er besonders an der Verbreitung solcher Legenden interessiert gewesen sein.
Er schrieb zunächst die "Legenda sanctorum", die er später zur "Legenda aurea" erweiterte. Schon früh fand diese Übersetzungen, bis sie im Spätmittelalter in allen Sprachen vorlag. Die älteste deutsche Übersetzung stammt aus dem 14. Jh.

 

Leidenswerkzeuge


Die Werkzeuge, mit denen Christus gemartet wurde. Häufig bei Darstellungen der Kreuzigung, des Schmerzensmannes oder auch des Weltgerichts durch Engel getragen.

 

Lettner


Monumentale, multifunktionale Scheidewand zwischen Chor und Mittelschiff zur liturgischen und sozialen Abgrenzung von Klerus und Laienvolk.
Lettner besitzen ein oder mehrere Durchgänge und enden nach oben hin in einem bühnenartigen Podest mit brüstung, welches vom Chor her über eine Treppe zugänglich ist. Von hier aus wurden dem Laienvolk die liturgischen Handlungen des Priester, die man vom Langhaus her ja nicht sehen konnte, vermittelt. Der Lettner diente außerdem als Sängertribüne und Bühne für religiöse Schauspiele.
Die Laienpredigt - die Evangelien und Episteln - wurden von einem an den Lettner angebauten oder davorstehendem Ambo aus vorgetragen. Vor dem Lettner stand der Laienaltar, meist ein Heilig Kreuz Altar.
Lettner waren vor allem im Hoch- und Spätmittelalter gebräuclich, danach wurden sie schrittweise aufgelöst und schließlich ganz beseitigt, bzw. durch Chorgitter ersetzt. Sie traten vor allem in West- und Mitteleuropa auf, in Italien nur selten. Heute sind nur noch wenige Lettner erhalten.
Einen einzigartigen Fall gibt es im Naumburger Dom, wo zwei Lettner erhalten sind: neben dem eigentlichen Lettner im Osten befindet sich auch einer im Westen, der aber nicht die liturgische Funktion eines richtigen Lettners ausgefüllt haben kann. Dafür gehört dieser Westlettner zu den herausragendsten Beispielen mitteallterlicher Bildhauerkunst.  
 
Beispiele: Naumburger Dom, St. Marien in Gelnhausen

 

Lisene


Vertikale flache Mauerstreifen ohne Kapitell und Basis, die aus dem Mauerwerk mehr oder weniger stark hervortreten oder ihm aufgelegt sind. Besonders häufig in der romansichen Kunst.
Zu unterscheiden von Pilastern.

 

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M

Majestas domini


"Würde des Herrn". Sie zeigt einen thronenden Christus in Frontalansicht als Weltenherrscher bzw. Weltenrichter in einer Mandorla. Er ist entweder mit segnender Hand dargestellt, oder er hält einen Kreuzstab, eine Weltkugel oder ein Buch. Er wird häufig von den Evangelistensymbolen (bzw. den apokalytischen Thronwächtern) oder Engeln umgeben, oft auch von betenden Aposteln.
Die Majestas domini taucht besonders häufig im frühen Mittelalter als Eingangsbild für Evangeliare auf, und in romanischen Tympana des 12. Jh. im Zusammenhang mit dem Jüngsten Gericht, sowie als Mosaik oder Wandmalerei in mittelalterlichen Chorapsiden.
Die Quellen für diese Darstellung entstammen der Vision des Propheten Jesaja und der Johannes-Offenbarung. Ihre entsthung steht im Zusammenhang mit theologischen Auseinandersetzungen des 4. Jh. um die Gottähnlichkeit Christi. Die Majestas domini bildet sozusagen eine bildliche Untermalung der Wesensgleichheit von Gott und Christus. Sie geht außerdem auf die byzantinische Darstellungstradition des lehrenden Christus zurück. Die früheste erhaltene Darstellung ist ein Apsismosaik des 5. Jh. in Thesaloniki. In Westrom taucht es auch im Zusammenhang mit der Gesetzesübergabe an Petrus und Paulus als den Nachfolgern Christi auf.
 
Ein verwandtes Motiv ist Christus Pantokrator.

 

Mandorla


 

Maria


Siehe unter folgenden Stichworten: Marienbilder, Maria Orans, Maria Platytera, Maria Lactans, Eleusa, Hodegetria, Maria in den Erdbeeren, Maria im Ährendkleid, Schutzmantelmadonna, Maria immaculata, Pieta, Marienleben, Mariensymbolik

 

Marienbilder


Maria spielte im Christentum nicht von Anfang an die herausragende Rolle, die ihr später zugedacht wurde.
Für die Entstehung und Förderung des populären Marienkultes spielte das Konzil von Ephesos im Jahre 431 eine wichtige Rolle, das den Kult der Maria als Gottgebährerin legitimierte. Maria entwickelte sich in Folge zur wichtigsten Fürbitteperson der Gläubigen, die sich nicht direkt zum mächtigen Christus-Gott zu wenden wagten und dagegen in der menschlicheren Maria eine verständnisvollen Ansprechpartner fanden.
Mit der Zeit stieg Maria in der christlichen Hierarchie immer weiter auf; Maria Himmelfahrt und Maria Krönung wurden in den kirchlichen Kanon aufgenommen. Maria sitzt zur Rechten des thronenden Christus und ist gemeinsam mit dem zur linken sitzenden Johannes beim Jüngsten Gericht wichtigste Fürbitteperson der Gläubigen (Deesis).
Ab dem 3. Jh. gibt es erste Darstellungen der Maria mit Jesusknaben; entweder als isolierte kultbildhafte Repräsentationsdarstellungen oder in Zusammenhang mit einem erzählerischen Zyklus. Das erste eigenständige Marienbild befindet sich in der Kirche S. Maria Maggiore in Rom.
Zwischen 4. / 5. und 17. Jh. entwickelten sich die bedeutendsten Bildtypen. Die meisten enstanden zwischen 400 und 700, z. Bsp. Maria mit dem Kind, Geburt Christi, Anbetung der Heiligen drei Könige, Darstellung Christi im Tempel, Frauen am Auferstehungsgrab (4. / 5. Jh.) und die thronende Gottesmutter (6. Jh.).
Mariendarstellungen wurden zu verschiedenen Zwecken genutzt, so als Andachtsbilder in Kirchen oder zum privaten Gebrauch, bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurden sie dem Heer vorangetragen oder zum Schutz über Stadttoren angebracht.
 
Typen
1. Maria Orans - betende Gottesmutter: Frontale Darstellung mit erhobenen Armen; Treue Frömmigkeit und Liebe zu Gott und Heilsvermittlerin zwischen Gott und den Menschen. (705/07 Oratio della Porta Santa in S. Pietro, Vatikan; Capella Ricci der Basilica di S, Marco, Florenz).
2. Maria Platytera: "Jungfrau des Zeichens" - Schwangerschaft Marias; entwickelte sich im 9. Jh. aus dem Typ der Maria Orans. Frontale Darstellung der maria mit einem Medaillon auf der Brust, welches den kleinen Jesus zeigt - Christus regiert aus der Mitte des Herzens = Finden der wahren Herzensmitte. ("Gottesmutter vom Fluß Miroza", Erlöserkirche in Pskov).
3. Maria Hodegetria - Wegführerin: Benannt nach dem Ursprungsort dieser Darstellung, dem Kloster Hodegon in Konstantinopel. Die Darstellung geht auf eine Legende zurück, nach der marai zwei Blinde zu ihrer Kirche geleitet haben soll und ihnen dort das Augenlicht zurückgab.
Die frontal blickende Maria trägt das Kind links auf dem Arm, in der Ikonenmalerei wird sie halbfigurig dargestellt, sonst sitzend oder stehend. Jesus wird als Erwachsener mit dem Gestus des Pantokrator (Weltenherrschers) dargestellt. Ein heidnischer Vorläufer dieser Darstellung ist Isis mit dem Horusknaben. ("Salus Populi Romani", 8./9. Jh. , S. Maggiore, Rom).
4. Eleusa: griech.: Mitleidende, Erbarmerin. Marientypus, der sich durch die liebevolle Zuneigung der Mutter Gottes zu ihrem Kind ausweist.
5. Maria Lactans / Galaktotrophusa - stillende Gottesmutter: Innige Mutter-Kind Beziehung; Jungfrau der Demut. Nachschöpfung des legendären Lukas Urbild der Maria mit Kind (Siehe Vera icon). ("Jungfrau der Demut", Ottaviano Nelli(Melli) Gubbio, Musee du Petit, Avignon).
6. Maria im Paradiesgarten / in den Erdbeeren: Maria Königin sitzt im blühenden Garten und meditiert über die Worte der heiligen Schrift. Die verscheidenen Pflanzen sind dabei als Symbole für die Eigenschaften der Muttergottes zu lesen. Dabei sein kann das Jesuskind mit Krug vom "Wasser des Lebens" oder Schriftrolle.
Maria als Hüterin des Paradiesgartens, welcher sich im 14. Jh. in Deutschland zu einem beliebten Motiv entwickelte; neben Adam und Eva sitzen hier nun auch maria und Jesus als "neuer Adam" und "neue Eva" (siehe Typologie).
Symbolismus der Erdbeeren: Christussymbol, Liebesfrucht, Weisheit des Heiligen Geistes; himmlische Frucht, die sich selbstlos verschenkt. ("Madonna in den Erdbeeren", Meister des Paradiesgärtleins, um 1425, Kunstmuseum Solothurn).
7. Maria im Ährendkleid: Seit dem 6. Jh. vergleicht man im Christentum Maria mit dem Element der Erde; des Ackers, der das Getreide trägt. Tradition alter Fruchtbarkeitsgöttinnen. Erste bekannte Darstellungen in der Kunst aus dem 13. Jh.; Maria als "Mutter des lebendigen Brotes". Frontale Ganzkörperdarstellung der Maria im Gebet, Ähren auf dem Kleid. ("Maria im Ährenkleid", Hinrik Fundorf, um 1480, Hamburger Kunsthalle).
8. Schutzmantelmadonna: Auf die Tradition römischer Votivbilder zurückgehend - Münzen des 3. Jh. zeigen Kaiser und Feldherren unter dem Schutzmantel Jupiters. Auch Bezüge zu germanisch - keltischen und mittelalterlichen Rechtsbräuchen. Maria als Mutter der Barmherzigkeit und Fürbitte nimmt die Gläubigen (meist Stifter) unter ihren Mantel. Die Schutzmantelmadonna taucht erstmals in Italien im 13. Jh. auf als motiv für Vereinsbilder, auf Fahnen und Tafeln; im 14. und 15. Jh. ist der Typus im gesamten abendländischen Kulturbereich verbreitet.
9. Maria immaculata - unbefleckte Empfängnis: Schwebende Gestalt Mariens steht auf einer Mondsichel (Darstellung als das apokalyptische Weib, siehe Apokalypse)oder auf einer von einer Schlange umwundenen Erdkugel (Sieg über Sünde). Die Darstellung verbildlicht die Reinbheit der Seele Marias und die Inkarnation der heiligen Weisheit in der Jungfrau Maria. Sie ist ein Kultmotiv der Barockzeit, verbunden mit der Gegenreformation.

 

Marienleben


Bildfolgen zu chronologisch aufeinanderfolgenden Ereignissen aus dem Leben Marias. Mögliche Einzelabschnitte: Szenen aus dem Leben der Eltern Marias (Anna und Joachim), Ereignisse aus der Kindheit und Jugend Marias, Begebenheiten im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Tod und Verherrlichung Marias. Anzahl und Auswahl der Szenen ist dabei nicht festgelegt.
Quellen: Protoevangelium des Jakobus (auch Pseudo-Jakobus, v. a. in der Ostkirche verbreitet), Pseudo-Matthäusevangelium (aufbauend auf dem Pseudo-Jakobus, verbreitet in der Westkirche), Legenda Aurea, Hohelied und Mariendichtung.
Die ältesten Darstellungen stammen aus dem byzantinischen Kunstbereich. Nördlich der Alpen werden erste Szenen des Marienlebens in ottonischer Zeit (10./ 11. Jh.) dargestetllt. Mit dem Einsetzen des Marienkultes im 12. / 13. Jh. werden Marienzyklen dann immer beliebter. Verbreitet sind in Kathedralen Marienfenster und Reliefs an Kirchenportalen. Seit um 1300 sind sie in Italien häufig Gegenstand von Fresken und der Tafelmalerei. Im deutschen Raum sind vom 14. bis 16. Jh. gemalte und geschnitzte Marienaltäre verbreitet. Mit dem Protestantismus endete dann die zeit der großen Marienzyklen. Als im Barock in den katholischen Gegenden der Marienkult wieder auflebte wurden Einzeldarstellungen bevorzugt.
 
Einzelne Stationen (selten auftauchende Sonderszenen sind nicht mit aufgeführt)
 
Leben der Eltern:
1. Verweigerung von Joachims Opfers im Tempel (die Kinderlosigkeit Joachims und seiner Frau Anna wird als Sünde gesehen)
2. Joachim bei den Hirten
3. Verkündigung der Geburt Marias an Anna
4. Opfer Joachims (Verkündigung der Geburt Marias)
5. Traum des Joachim
6. Begegnung von Anna und Joachim an der Goldenen Pforte (Rückkehr Joachims)
 
Kindheit und Jugend Marias
7. Geburt Marias
8. Darstellung Marias im Tempel (Gelöbnis Annas, ihr Kind Gott zu widmen)
9. Übergabe der Stäbe und Gebet der Freier: unter den Freiern wird Joseph als Ehemann für Maria erwählt (Maria hatte Keuchheit gelobt; durch Engel bestimmt wurde ihr zukünftiger Mann durch ein Wunder gewählt)
10. Vermählung Marias mit Joseph
11. Hochzeitszug
12. Die Verkündigung an Maria
13. Heimsuchung (die schwangere Maria trifft die mit Johannes d. Täufer schwangere Elisabeth)
 
Szenen aus dem Marienleben im Leben Jesu
14. Geburt Christi
15. Flucht nach Ägypten
16. der zwölfjährige Jesus im Tempel
17. Hochzeit zu Kanaa
18. Kreuztragung Jesu
19. Kreuzigung Jesu
20. Kreuzabnaheme
21. Grablegung
22. Pfingstwunder
 
Tod und Verherrlichung Marias
23. Marientod
24. Grabtragung
25. Begräbnis
26. Maria Himmelfahrt
27. Marienkrönung
 
Zyklus der sieben Freuden und sieben Schmerzen Marias aus ihrem Leben (unterschiedliche Versionen)  
Freskenzyklus von Giotto in der Arenakapelle (Scrovegni-Kapelle) in Padua (1305/06); Dürer: Marienzyklus, Holzschnitte; Tilmann Reimschneider: Krakauer Marienaltar, Schnitzaltar

 

Mariensymbolik


Umfangreiche Symbolik v. a. im Mittelalter; Symbole haben dabei meist mehrschichtige Bedeutungen. Quellen der Mariensymbolik: Hohe Lied (AT), Weisheitsliteratur, Hymnen, Gebete, Physiologus, Marianische Typologie
 
1. Allgemein:
Sonne (Hohelied: schön wie die Sonne), Bundeslade, Mannagefäß, Stadt Gottes, siebenarmiger Leuchter, Löwenthron Salomons (Sitz der Weisheit), Braut Christi
2. Pflanzen:
Schwertlilie (Schmerz), weiße Rose (reines Magdtum), rote Rose (vollkommene Liebe), Veilchen (Demut), Erdbeere (gleichzeitig Jungfrau und Mutter), Nelke (Schmerzen; Hinweis auf Passion Christi), Mandelzweig (unbefleckte Empfängnis), Ähre, Akelei, Maiglöckchen, Schneeglöckchen, Heilkräuter
3. Zahlensymbolik:
7= Sieben Schmerzen und Freuden Marias (Rosenkranz), 3+4: 3= Dreifaltigkeit, göttliche Zahl Schlechthin; 4= Erde, Himmelsrichtungen, Elemente, Mensch
4. Tiere:
Einhorn, Adler (Physiologus: hält die Jungen der Sonne entgegen; Maria führt die Gläubigen dem Licht, d. h. Christus entgegen), Schlange zu Füssen Marias (Maria als zweite Stammutter der Menschheit errettet die Menschen von der Sünde, die durch Eva über die Welt kam; siehe Typologie)

 

Michael, Erzengel


 

Monstranz


Aufwendig geschmücktes Gerät zum präsentieren der Hostie.

 

Mystik


 

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O

Maria Orans


Typus der Mariendarstellung.

 

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P

Palladianismus


 

Andrea Palladio (1508-1580)


Italienischer Architekt und Architekturtheoretiker, von maßgeblichem Einfluß auf den Frühklassizismus und den englischen Palladianismus.
Wie kaum ein anderer Architekt seiner Zeit nahm er sich die römische Antike zum Vorbild. Sein Wissen über die römische Architektur schöpfte er aus dem Studium antiker Bauten und den Architekturtraktaten Vitruvs.
Palladio (eigentlicher name Andrea die Pietro) stammte aus Padua, verbrachte aber die meiste Zeit seines Lebens in Venedig. 1552 wurde er Stadtbaumeister von Vincenza, 1570 in Venedig. Schon seit 1560 war er vorwiegend in Venedig tätig, wo von seiner Hand vor allem Sakralbauten entstanden, in Vincenza fertigte er Stadtpläne an und baute vorwiegend Villen und Paläste. 1570 entstanden seine "Quattro libri dell'architectura", Erläuterungen zum Villen- und Palastbau.
Typisch für Palladios Architekturauffassung ist die Gestaltung der Grundrisse nach einer idealen Geometrie, die nach antromorphen und mathematischen Gesetzen orientiert, der Verwendung der Kolossalanordnung für Profanbauten und eine äußere Scheinarchitektur, d. h. er gestaltete die Fassade unabhänig vom Aufbau der Innenräume (v.a. bei Profanbauten). Seine Bauten zeichnen sich durch eine klare Gliederung, ausgewogene proportionen und den weitgehenden Verzicht auf dekoratives Beiwerk aus.
Sein berühmtestes Gebäude, welches dann für den Palladianismus vorbildlich wurde, ist die Villa Copra, gen. Rotonda in Vincenza (ca. 1566-80).

 

Palladiomotiv


Zusammenfassung von drei eng beieinanderstehenden Öffnungen zu einer Gruppe, wobei die mittlere, größere, Öffnung in einem Rundbogen abschließt, die Seitenöffnungen gerade. Dieses von Andrea Palladio eingeführte Motiv wurde ein wichtiges Gestaltungselement des palladianischen Klassizismus.

 

Christus Pantokrator


"Allherrscher". In der Ostkirche verbreiteter Christustypus. Darstellung als frontale Halbfigur mit Segensgestus und Buch; meist in Apsismosaik.
 
Verwandete Darstellung: Majestas domini

 

Passion


 

Passionsspiele


Jährliches Nachspielen der Passionsgeschichte. In diesem Zusammenhang Verwendung beweglicher Puppen und einer Nachbildung des Heiligen Grabes.

 

Pelikan


Christussymbol.

 

Pfeiler


Stütze zwischen Öffnungen (Arkaden, Türen, Fenstern etc.). Der Grundriss kann rechteckig, quadratisch, polygonal oder auch rund sein, wobei man im letztern Fall den Pfeiler nicht mit einer Säule verwechseln darf.
Ein Pfeiler endet nach oben hin einen Kämpfer, kann auch (muss aber nicht) eine Basis besitzen. Dem Pfeiler können Halbsäulen o. ä. vorgelegt sein. Bei einer Bündelung verschiedener Dienste und Vorlagen spricht man von einem Bündelpfeiler (v.a. in der Gotik gebräuchlich.
Ein Strebepfeiler dient der Aufnahme des schräg gerichteten Gewölbeschubs bei gotischen Kirchen (siehe Strebewerk).

 

Physiologus


 

Pieta


 

Pilaster


Vertikale flache Mauerstreifen mit Basis und Kapitell, die der Wand zur Gliederung vorgelagert sind. Pilaster stammen aus der römischen Antike und sind chrakteristisch für die Architektur der Renaissance bis ins 19. Jh.
Zu unterscheiden von Lisenen.

 

Piranesi


 

Maria Platytera


Marientypus.

 

Propheten


Vier große Propheten des alten Testaments, die die Ankunft Christi voraussagten: Jeremias, Ezechiel, Jessaja, Daniel. Können in Verbindung mit Majestas Domini dargestellt werden.

 

Pyxis


Büchse zur Aufbewahrung der Hostien.

 

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R

Raphael, Erzengel


 

Reiterstandbild


Sonderform des Denkmals, bestehnd aus einem meist mit Reliefs geschmückten Sockel, Pferd und einem im Sattel sitzendem Reister. Das Reiterstandbild ist Machtdemonstration und Ehrenmal; Zeichen für militärische und politische Gewalt sowie Auszeichnung für besondere Leistung.
Die Existenz griechischer und hellenistischer Reiterstandbilder ist durch Fragmente, Nachbildungen und Schriftquellen überliefert, es ist jedoch keine vollständiges Exemplar mehr erhalten. Reiterstandbilder wurden im Helenismus Königen und siegreichen Feldherren gewidmet.
Im 2. Jahrhundert wurde die Tradition der Reiterstandbilder durch die Römer übernommen, die sie zunächst als Weihegeschenke und zur Heroisierung der Ahnen auf öffentlichen Plätzen aufstellten. In der Kaiserzeit wurden Reiterstandbilder in Rom dann dem Imperator gewidmet, außerhalb Roms auch Rittern. Nachhaltigen Einfluß auf die spätere Kunstgeschichte verbreitete das Standbild des Marc Aurel in Rom, welches als Standbild des christlichen Kaisers Konstantin galt und daher in mittelalterlicher Zeit erhalten blieb.
Die folgenden Generationen von Reiterstandbildern bewegten sich zwischen dem römischen Typus des Reiters als Redner und Befehlshaber auf schreitendem Pferd und dem hellenistisch beeinflussten Typ des Kämpfers und Siegers auf sprengendem Pferd.
Aus dem Mittelalter ist nur ein einziges Reiterstandbild erhalten, der Magdeburger Reiter, wahrscheinlich macht- und Rechtssymbol des Königs. In Italien lebte das Reitermonument bis Ende des 15. Jh. als Grabmahl fort.
Eine Blüte erreichte das Reiterstandbild in den absolutistischen Staaten des 17. und 18. Jh., wo es, als Verkörperung der staatlichen Gewalt, dem Fürsten oder König vorbehalten war. Im 19. Jh. mit seiner Vorliebe für Denkmäler wurde diese Tradition weitergeführt, kennzeichnend für diese zeit sind hohe, mehrgeschossige Sockel.

 

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S

Sakramentshaus


Turmartiges Bauwerk zur Aufbewahrung der geweihten Hostien, welche nach der Messe nicht weggeworfen werden durften, sowie anderer liturgischer Geräte, welches in der Spätgotik prunkvoll ausgebildet wurde.
Das Sakramentshaus besteht aus einem Fuß, einem Überleitungselement, dem Gehäuse und einem bekrönenden Baldachin. Siehe auch Hostie.
 
Beispiel: Sakramentshaus in St. Lorenz, Nürnberg von Adam Kraft (Anfang 14. Jh.)

 

Säule


Stützelement mit kreisrundem Grundriss. Grob gesehen besteht eine Säule aus Basis, Schaft und Kapitell.
Im Gegensatz zu einem Pfeiler verjüngt sie sich nach oben hin und besitzt auch manchmal eine Entasis, d. h. eine leichte Schwellung in der Schaftmitte.

Säulenportal


Siehe Stufenportal. Tritt besonders in der romanischen Baukunst auf.

 

Schmerzensmann


Typus der Christusdarstellung. Darstellung von Christus als Leidenden, Sterbenden oder Toten. Besonders in der Gotik und der Mystik (Andachtsbild) verbreitet.

 

Schutzmantelmadonna


Typus der Mariendarstellung.

 

Seraphim


 

Stilleben


Kunstmotiv, welches aus einer Zusammenstellung von leblosen Gegenständen (Musikinstrumente, Bücher, Esswaren, Gefäße, Luxusgegenstände, Trophäen), einzelnen, aus einen landschaftlichen Zusammenhang herausgeholten Pflanzen (Blumen, Kräuter) und einzelnen Insekten, Echsen und ähnlichen Kleintieren bestehen kann.
Stillebenmotive sind schon aus der antiken Malerei bekannt (Pompei). Die Anfänge der neuzeitlichen Stillebenmalerei finden sich in der italienischen und niederländischen Kunst des 14. Jh.
In Italien malte man dekorative, Trompe'l oeil-artige Stilleben als an die Architektur gebundene Illusionsmalerei (Tadeo Gadi, Giotto u. a.); diese Stilleben wurden dann im Intarienbereich im 15. J. weiterentwickelt; auch als Malerei zum Schmuck von Möbeln verwendet. Später kamen illusionistische Landschaftsausblicke u. ä. in Mode. Das berühmte Früchtestilleben von Caravaggio diente wohl ebenfalls zur illusionistischen Dekoration von Räumlichkeiten, als Supraporte.
In der frühen niederländischen Malerei kamen stillebenhafte Beigaben, eingebunden einen größeren Bildzusammenhang (meist sakrale Themen), zu großer Verbreitung. Die frühe niederländische Malerei maß der realistischen und detailreichen Wiedergabe von Gegenständen des Alltags großen Raum zu. Biblische Szenen wurden dabei, besonders auf Stifteraltären, in die alltägliche Lebenswelt versetzt. Die Gegenstände waren dabei jedoch auch Bedeutungsträger; sie wurden symbolisch gedeutet (Hans Memmling, Jan von Eyck, u. a.).
Die Blüte der Stillebenmalerei fand in der niederländischen Malerei des 17. Jh. statt. Eine hochspezialisierte Malerschaft konzentrierte sich auf spezielle Themen und brachte diese zur Perfektion. Die immitation, also die täuschend echte Wiedergabe der gegenstände, spielte beim Stilleben eine besondere Rolle.
Stilleben wurden im Laufe ihrer Entwicklung immer vielschichtiger und für verschiedene Deutungen offen. Schließlich lösten si sich von literrarischen Vorgaben sowie den inhaltlichen Vorgaben des Auftraggebers und entwickelten eine autonome Sprache. Der Verzicht auf erzählerischen Impetus ist der wichtigste Schritt hin zum autonomen Stilleben. Dieser wichtige Schritt der Malerei hin zur "Kunst um der Kunst willen" vollzog sich beim Stilleben viel eher als bei anderen, traditionell stärker zweckgebunden, Bildgattungen. Im 18. jh. verband sich das klassische Stilleben der holländischen Malerei mit einem modernen Ansatz (begünstigt durch den Geist der Aufklärung), der die materielle Seite der Dinge stärker betonte und sich vom Repräsentationswillen der Auftraggeber löste (Baptist Chardin). In der Moderne entstanden Stilleben dann meist frei von Bedeutung aus rein ästhetische Sicht. Ein neues Medium fand das Stilleben hier in der Fotografie.
 
Mit dem aufkommenden Interesse an Kunst- und Wunderkammern in der frühen Neuzeit wurde es auch Mode, wertvolle Sammelobjekte in der Malerei darzustellen. Zum Beispiel wurden Kunstkammerregale dargestellt, auf denen verschiedenen Inhalte einer kunstkammer versammelt waren. Zum Teil ersetzte die bildliche Dokumentaion in den Kunstkammern sogar die originalen Gegenständen; v. a. wenn es sich um so vergängliche Dinge wie Blumen handelte. Stilleben wurden damit selbst zu Sammelobjekten.
Daneben dienten manche Stilleben der wissenschaftlichen Dokumentation oder dem geistichen Austausch. Wissenschaftliche Zeichnungen stehen dabei neben Aufzeichnungen von rein exotischen und kuriosem. Sie kamen ebenso in Kunstkammern Aufnahme.
In Flandern des 16. Jh. kam das Genre der Küchen- und Marktbilder zu großer Verbreitung. Die Gründe für die Blüte dieses Themas lag in der notwendigen Umorientierung der Künstler nach der Reformation und der Suche nach neuen Ausdrucksformen, da die reformierte Kirche die traditionelle Malerei ablehnte (bibl. Gebot: "Du sollst Dir kein Bild machen", Gebot der Enhaltsamkeit, Wegfall des Heiligenkults). Zum anderen gab es in den wohlhabenden Handelszentren Flanderns einen Bedarf an repräsentativen Bilder. Als Lösung kam es zu der eigenartigen Kombination von üppigen Stilleben aus Früchten und anderen Esswaren und versteckten religiösen Szenen im Hintergrund (Pieter Aertsen). Die Esswaren trugen dabei meist symbolische Botschaften in sich.
Vanitasstilleben:
Botschaft: "Alles ist vergänglich"; besonders im Barock allgegenwärtig. Vanitasstilleben kann man je nach dargestellten Gegenständen in verschiedene Untergruppen einteilen: Herrschaftszeichen / Kriegsutensilien, Bücher / wissenschaftliche Instrumente, Schmuck / Musikinstrumente. Durch eine lässige, wenig genaue Malweise konnte der Hinweis auf den Vanitasgedanken noch verstärkt werden. Vergangenheitssymbole können auch in normalen Stilleben untergebracht sein; dabei sind verschiedenen Deutungen der einzelnen Gegenstände möglich. Auch in der modernen Malerei ist der Vergänglichkeitsgedanke noch anzutreffen; meist verbunden mit Kritik an zeitgeschichtlichen Zuständen.
Blumenstilleben:
Bei Blumenstilleben stand das Naturstudium im Vordergrund: es kam auf die Zusammenstellung schöner und teurer Blumen an, die man sonst nicht zusammen sehen konnte, da sie zu verschiedenen Jahreszeiten blühten. Die Malerei besiegte in diesem Fall die Natur. Für Blumennarren verkörpeten Blumenstilleben viele Eigenschaften der wirklichen Blumen, wie deren Schönheit, hatten aber den Vorteil nicht zu verwelken.
Trompe l'oeil:
"Augentäuscherei". Der Begriff wird um 1800 als Gattungsbegriff eingeführt, bezeichnet ursprünglich aber eine Maltechnik, die durch eine besonders realitätsnahe Wiedergabe der Dinge die Wirklichkeit nachahmt.
Das iedeale Trompe l'oeil zeigt unbewegliche Dinge in Originalgröße und natürlicher Farbgebung, die sich möglichst nicht überschneiden sollten. Die Bildbeleuchtung musste sich nach den Lichtverhältnissen am geplanten Aufhängungsort richten, außerdem sollte es verschiedene Fluchtpunkte geben, um verschiedenen Betrachterstandpunkten Rechnung zu tragen. Das Trompe l'oeil spielt mit der Wahrnehmung; sein Ziel ist es, den Betrachter zu täuschen und enttäuschen, wenn dieser den Betrug bemerkt. Die optimale Wirkung eines solchen Bildes setzt die Einbindung in den Raumzusammenhang voraus. Trompe l'oeils haben ursprünglich keine Rahmen, waren häufig in Möbel eingelassen; heute sind sie in Museen meist aus ihrem originalen Zusammenhang gerissen.
Die Wertschätzung des Trompe l'oeil lag in seiner Stellung zwischen Kunstwerk und Kunststück. Im 19. Jh. verlor es an Bedeutung. Eine Ausnahme bildete hier die amerikanische Kunst, wo es erst gegen Ende des 19. Jh. zur Blüte gelangte. Eine inhaltliche Besonderheit des amerikanischen Trompe l'oeil ist sein ironischer Aspekt.

 

Strebewerk


 

Stufenportal


Portal mit einem von außen nach innen zurückgestuften Gewände, was bei einer großen Mauerdicke eine optische Vergrößerung der Türöffnung bewirkt. Das Stufenportal wird meist durch in das Gewände eingestellte Säulen (Säulenportal) oder Statuen geschmückt. In dieser Form besonders häufig in der romanischen und gotischen Baukunst.

 

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T

Tabernakel


1. Das Wort "Tabernakel" stammt von der Bezeichnung "tabernaculum" für "Zelt" aus dem römischen Militärwesen. In der römischen Kunst wird dieser Begriff auf alle zeltartigen Bauteile übertragen.
2. Seit dem 12. Jh. verwendet man diesen Begriff für Schreine und Gefäße, die zur Aufbewahrung eucharistischer Geräte und Sakramente (siehe Hostie), sowie für das Öl der Krankensalbung dienen. Später werden diese Tabernakel auch als Behälter für die Monstranz verwendet.
3. Tabernakel nennt man auch allgemein den von Stützen getragenen Überbau eines Altars (siehe Ziborium).
4. Außerdem Bezeichnung für einen aus Säulen und Spitzdach bestehenden Aufbau, manchmal mit eingestellter Statue, in der gotischen Baukunst (nicht zu verwechseln mit einer Fiale).

 

tektonisch


Gestaltungsprinzip in Architektur und Plastik. Optisches Zusammenfügen der Körper zu einem festen Ganzen.
Zu beziehen auf Bauten und Plastiken, deren Großformen deutlichen Bezug haben zum statischen Aufbau. Deren Einzelformen lassen sich deutlich in tragende und lastende teile unterscheiden (z. Bsp. Säule und Gebälk), wodurch sie den Eindruck in sich ruhender Standhaftigkeit hervorrufen.
Als tektonisch zu bezeichnen sind demnach griechische Tempel, Bauten der Romanik und Renaissance, sowie ägyptische Plastik. Als atektonische zu bezeichnen sind dem gegenüber Gotik, Barock, Rokoko und z. bsp. die Plastiken von Rodin.

 

Tragstein


Anderes Wort für Konsole.

 

Transsubstantation


Verwandlung der Oblade in den Leib Christi während der Messe.
Siehe Hostie.

 

Triumphbogen


 

Triumphkreuz


Seit dem 12. Jh. Bezeichnung für das monumentale Kruzifix unter dem Triumphbogen, welches dort entweder an Ketten aufgehängt oder auf einem Querbalken befestigt ist. Häufig steht es einem Kreuzaltar, bzw. Lettner in Verbindung.
Der Name leitet sich vom Triumph des Kreuzes her, hat aber keine Aussage für die Darstellung Christi (es kann sowohl Typ des dominator als auch patiens sein). Er ist verbunden mit dem Kult des "wahren Kreuzes Christi", sowie mit Anordnung, Verbreitung und Funktion des Kreuzaltars. Dieser war in karolingischer Zeit durch gesteigerte Kreuzverehrung zu Bedeutung gelangt, im Zusammenhang mit einem "Jerusalemkult". Ursprünglich befand er sich in der Mitte der Kirche, wurde dann aber aus praktischen Gründen vor den Ostlettner verschoben.
Es kann zur Triumphkreuzgruppe erweitert werden durch die danabenstehenden Figuren von Maria und Johannes sowie flankierende Engel.
Blütezeit des Triumphkreuzes in der 1. Hälfte des 13. Jh., möglicherweise im Zusammenhang mit der Kreuzzugsbewegung.
 
Beispiele: Ältestes erhaltendes Triumphkreuz Gero-Kreuz im Kölner Dom, Triumphkreuzgruppen im Halberstädter Dom (um 1210) und in Wechselburg (1235)

 

Tympanon


1. Giebelfeld eines antiken Tempels, welches meist mit Reliefs geschmückt ist.
2. Fläche innerhalb des Bogenfeldes über einem mittelalterlichen Portal, meist ebenfalls mit Reliefs oder auch Malerei geschmückt. Siehe auch Kirchenportal.

 

Typologie


 

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U

Uriel, Erzengel


 

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V

Vedute


Architekturansicht

 

Vera icon


Das "wahre Bild" Christi.

Im Urchristentum existierten keine Bildnisse von Jesus; Gründe könnten u. a. das alttestamentliche Bilderverbot sein, sowie die baldige Erwartung des jüngsten Tages. Mit Anerkennung des Christentums und dem Aussterben der Zeitzeugen Christi entstand dann eine Suche nach einem "wahren Bildnis" von Christus. Dieses Bild durfte freilich nicht von Menschenhand gemacht worden sein; einmal um zu überzeugen, aber auch um von dem Verdacht der Götzenverehrung frei zu sein.
 
Für die Herkunft einer legetimen Vorlage des Christusbilds (das vera icon) gibt es verschiedene Traditionsstränge:
1. Abgal-Bildnis (seit 5./6. Jh.):
Benannt nach dem König Abgal von Ädessa, der nach dem Historiographen Eusebius von Caesarea von Christus ein Bildnis erhalten haben soll. Auf diese Vorlage greift die russische Ikonenmalerei (ab 12. Jh.) zurück, ebenso hatte sie Einfluß auf die westliche Kunst.
2. Veronika-Tradition (seit 6. Jh,.):
Laut einer Legende erhielt die Heilige Veronika einen Abdruck von Jesu Gesicht (mit Dornenkrone) auf einem Schweißtuch, das sie ihm auf dem Kreuzweg reichte. Nach einer anderen Version erhielt sie das Bildnis auf dem Schweißtuch von Jesus schon früher - in diesem Fall fehlt auf den Darstellungen die Dornenkrone.
Die Reliquie des Schweißtuches soll in einem der vier Kupferpfeiler in St. Peter in Rom aufbewahrt sein. Der Name der Heiligen Veronika geht evt. auf "vera icon" zurück.
3. Lukasbilder (15. / 16. Jh.):
Nach einer Legende porträtierte der Heilige Lukas die Madonna mit Kind nach einer Erscheinung. Die gleiche Geschichte wird auch von P. Lentulus erzählt.
4. Turiner Grabtuch (ab 14. Jh.):
In Turin befindet sich die Reliquie des angeblichen Grabtuchs Christi mit einem Ganzköperabdruck. Bezeugt ist zumindest das hohe Alter der Reliquie.

 

Vitruv


 

Votivbilder


 

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W

Wasserspeier


Wasserabführendes Rohr aus Stein oder Blech an einer Rinnleiste, welches dazu dient, das Regenwasser vom Dach abzuleiten. Besonders an gotischen kathedralen aber auch an Tempeln figürlich ausgeschmückt, als Tier, Mensch oder Monster (z. Bsp. Drache).

 

Johann Joachim Winckelmann (1717-1768)


Begründer der klassischen Archäologie und der neueren Kunstwissenschaft.
Winckelmann entwickelte ein geistiges Programms, das auf ethische und stilistische Vorbildlichkeit der griechischen Antike verweist. Ein grundlegender Gedanke dabei ist, dass stilistische und ethische sowie gesellschaftliche Vollkommenheit eng miteinander verbunden sind. Er legte diese Theorien erstmals 1754/55 in seinen "Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst" nieder.
Seit 1755 lebte er in Rom, wo er als Sekretär des Kardinals Albani arbeitete. 1763 wurde er zum "Aufseher der Altertümer in und um Rom", in dieser Funktion lernen ihn verschiedene Romreisende kennen.
1764 veröffentlichte er sein Hauptwerk, die "Geschichte der Kunst des Altertums". Gegenstand dieser Abrbeit waren nicht mehr, wie traditionell üblich, Einzelpersönlichkeiten der Kunstgeschichte, sondern die gesetzmäßige Ausbildung und Entwicklung eines künstlerischen Stils als Ausdruck des Ethos eines Volkes bzw. einer Epoche, wo bei er den Stil als Einheit formaler und inhaltlicher Züge begriff. Mit dieser Vorgehensweise begründete er die moderne Kunstgeschichte hatte aber außerdem auch einen enormen Einfluß auf die (v.a. deutsche) Philosophie, Literatur, Bildende Kunst und Architektur, besonders des beginnenden Klassizismus.
Wincklemann sah das Vorbild einer idealen Kunst und Gesellschaft in der der griechischen Antike, weshalb er ihre Nachahmung als Vorraussetzuung für die Entstehung einer neuen Schönheit (sozusagen in Rückkehr zum Urbild der idealen Kunst).

 

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Z

Ziborium


Von Säulen getragener Überbau in der Form eines Baldachins. Zunächst nur über einem Altar oder Thron stehend, dann auch als Überbau für Gräber und Brunnen verwendet.
Das Ziborium stammt aus der Antike und wurde im Mittelalteralter häufig verwandt, hauptsächlich zur Auszeichnung eines Altars. Nachdem es im Barock wiederaufgegriffen wurde, fand es danach keine Verwendung mehr.

 


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letztmalig aktualisiert am 1. Mai 2002